WhatsApp-Bild vom 07.04.2026 um 22:51:42 Uhr

Erfahrungsberichte von 12 deutschen Journalisten über ihren zweiwöchigen RIAS-Stipendienaufenthalt in den USA

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Leander Löwe, ARD, Hamburg

Das RIAS-Journalistenprogramm war schon jetzt das Beste, was mir im Jahr 2026 passieren konnte. Von eindrucksvollen Diskussionen über die aktuelle US-Politik rund um den Iran-Krieg und die Vorbereitung der Midterm-Elections, bis hin zum direkten Vergleich journalistischer Arbeitsweisen (etwa bei der New York Times, Telemundo oder NPR) nehme ich nun sehr viel Neues mit in meinen Redaktionsalltag bei der ARD. Viele der Termine haben mir geholfen, die Situation im Weißen Haus und der Presse vor Ort besser zu verstehen – eine Erfahrung, die für Journalisten am Schreibtisch in Deutschland extrem wichtig ist. Besonders meine Station Days bei abc15 in Arizona haben meinen Horizont erweitert. Obwohl ich in meiner Karriere schon einiges erlebt habe, würde ich sagen, dass diese drei Tage zu den einprägsamsten meines bisherigen Berufslebens gehören. Phoenix und den historischen „Wilden Westen“ aus heutiger Perspektive (im 21. Jahrhundert) zu erleben; zu verstehen, weshalb ein ursprünglich stark republikanisch geprägter Swing State plötzlich demokratisch wählt; die Hitze der Wüste im Kontrast zum fröstelnden New York zu fühlen – all das hat den Aufenthalt für mich unvergesslich gemacht. Abgerundet wurde das Programm durch einen postkolonialen Blick auf die USA – sowohl mit Native Americans im Mattaponi-Reservat in Virgina als auch mit African Americans im Lest Not Forget Slavery Museum in Philadelphia. Dieser Austausch zeigte sehr eindrücklich die bis heute vorhandenen Hürden marginalisierter Bevölkerungsgruppen auf. Die RIAS-Reise war rundum super organisiert, wir waren eine toll zusammengewürfelte Gruppe und konnten viele Fragen (inklusive Follow-ups) stellen und so unsere eigenen Schwerpunkte vertiefen. Zu einer Bewerbung kann ich nur ermutigen.

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Angela van Brakel, Seven One, München

„Es ist, als wäre Björn Höcke unser Bundeskanzler.“ „Oh nein, die USA sind nicht länger ein Land, sondern zwei.“ „Wir sind von dieser Regierung und dem Fortschritt des Projekts 2025 begeistert. Alles läuft nach Plan.“ Das sind Sätze, die nachhallen. Sätze, die beunruhigen. Sätze, die noch lange im Gedächtnis bleiben, nachdem sie ausgesprochen wurden. Das liegt nicht nur am Inhalt, sondern auch am Kontext, in dem sie gefallen sind. Wir waren in Räumen, die nur selten zugänglich sind: Vertrauliche Gespräche mit Thinktanks, Anwälten und Politikern sowie mit Journalisten, die seit Jahrzehnten über das Weiße Haus berichten. Und all diese Begegnungen fanden in einem Land statt, das sich im Krieg befindet und kurz vor den „Midterms“ - den Zwischenwahlen - steht. Die Fragen kamen Schlag auf Schlag, genau wie die Nachfragen. Die Zeit verging wie im Flug. Die Diskussionen wurden immer intensiver. Es waren dabei keine einstudierten Narrative, die wir hörten, sondern unverfälschte Einblicke in eine Nation, die mit sich selbst ringt. Ein weiterer Moment war für mich persönlich ganz besonders: ein Gespräch mit einer Produzentin von „The Daily“, einem der erfolgreichsten Podcasts der Welt. Als jemand, der erst vor Kurzem selbst einen Podcast gestartet hat, fühlte sich diese Möglichkeit beinahe surreal an. Praktische Ratschläge, Einblicke hinter die Kulissen und kleine, aber entscheidende Tipps - es war die Art von Austausch, die selten ist und gerade deshalb in Erinnerung bleibt. Während der Reise beschäftigte mich eine Frage ganz besonders: Was passiert mit dem Journalismus in einer Zeit, in der viele Zuschauerinnen und Zuschauer eher nach Bestätigung als nach Information suchen? Die anschließenden Gespräche, sei es im bei Fernseh- oder Radiosendern oder beim Abendessen mit amerikanischen Kollegen, waren durchweg erhellend. Sie zeigten nicht nur Unterschiede in den Arbeitsweisen, sondern auch bemerkenswerte Gemeinsamkeiten bei den Herausforderungen auf, mit denen wir in Deutschland konfrontiert sind. Zwei Wochen. Vier Städte. Unzählige Erfahrungen und Eindrücke. Es waren Tage, die so erlebnisreich waren, dass ich jeden Abend meine Gedanken niederschrieb, damit sie nicht verblassen. Was bleibt, ist Dankbarkeit: für das Journalistenprogramm der RIAS Berlin Kommission, für die Chance, den Zugang, das Gelernte, die Menschen, die diese Zeit unvergesslich gemacht haben und die Überzeugung, dass all das uns zu besseren Journalisten machen wird. Ein riesiges Dankeschön dafür an Christoph, Pam und Christina.

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Vanessa Materla, RBB, Berlin

Ein Mittwoch in Washington, DC: Der Tag startet mit Bagels und Kaffee bei Telemundo – wir sprechen darüber, wie sie den Druck aushalten, den die Korrespondenten des Weißen Hauses aktuell durch Politik und Gesellschaft erfahren. Nächster Stop: Studio von ARD und Deutsche Welle. Vor welchen Herausforderungen stehen die deutschen Kolleg:innen bei ihrer Berichterstattung? Beim American-German-Institute sprechen wir im Anschluss darüber, die die deutsche Regierung aktuell in den USA wahrgenommen wird – um danach beim Cook Report erste Einschätzungen für die Midterms abzufragen. Bei Spectrum News stellt sich ein republikanischer Senator unseren Fragen. Letzter Programmpunkt: Bei einer Rooftop Bar einen Tisch mit Blick auf das Weiße Haus ergattern. Dieser Tag zeigt – stark verkürzt – spannendes und abwechslungsreiches Programm uns in den zwei Wochen USA-Aufenthalt geboten wurde. Wir hatten interessante (Hintergrund-)Gespräche und Diskussionen mit diversen Think Tanks, Meinungsforschern, Journalisten, Anwälten, Politikern, Kollegen. Aber auch: mit Mitgliedern des Mattaponi-Tribes, mit einem Überlebenden und Helfer von 9/11, mit Angehörigen eines jüdischen Berichterstatters der Nürnberger Prozesse – und natürlich: mit vielen tollen RIAS-Alumni – in Washington, New York und Philadelphia. Für unsere Station Days wurden wir weiter quer durchs Land geschickt. Ich hatte die Chance, die Investigativ-Reporterin Yami Virgin bei ihren Recherchen für FOX SA in San Antonio, Texas, zu begleiten. In nur zwei Wochen – die so ereignis- und lehrreich waren wie mehrere Monate – habe ich einmalige Einblicke in die journalistische Arbeit und Politiklandschaft der USA bekommen. Mein Highlight: Die Gruppe, mit der ich diese zwei Wochen verbringen durfte. Mein Herz ist voll von dieser eindrücklichen Zeit, den spannenden Erfahrungen und den großartigen Menschen, die ich dank RIAS treffen durfte.

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Jaafar Abdul Karim, Deutsche Welle, Berlin

Es gibt Reisen, an die man sich wegen der Orte erinnert, die man gesehen hat. Und es gibt Reisen, an die man sich erinnert, weil sie einen verändert haben. Für mich war das RIAS Transatlantic Fellowship eindeutig Letzteres. Bevor ich meine Reise im Rahmen des RIAS Transatlantic Fellowship antrat, gehörten Namen wie The New York Times, CPJ, Pew Research, The Heritage Foundation, das Center for American Progress, NPR, Voice of America, NOTUS, Telemundo, Ballard Spahr, das Deutsch-Amerikanische Institut oder auch Treffen mit US-Senatoren zu einem vertrauten öffentlichen Vokabular. Es waren Institutionen, die Debatten prägen, Narrative formen und beeinflussen, wie Amerika mit und über sich selbst sowie mit der Welt spricht. Doch in diesen zwei Wochen wurden sie etwas ganz anderes. Sie wurden zu Gesichtern, zu Gesprächen, zu Momenten, die mich noch lange begleiteten, nachdem wir den Raum längst verlassen hatten. Was das Fellowship so einmalig machte, waren nicht allein die Besuche, sondern die Vielfalt an Perspektiven, die es eröffnete. Jedes Treffen öffnete eine weitere Tür, und hinter jeder schien eine neue Stimme Amerikas zu warten — Stimmen, die einander oft widersprachen, sich herausforderten oder dieselbe Realität aus vollkommen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachteten. Der Rhythmus dieser Begegnungen war intensiv: aufmerksam zuhören, Fragen stellen, reflektieren, vergleichen, neu denken — und dann wieder von vorn.Die Gespräche endeten nicht, als wir die Gebäude oder Meetingräume verließen. Sie setzten sich fort — in unseren Diskussionen, in unseren Meinungsverschiedenheiten, in unserem Lachen, in dem gemeinsamen Versuch, das Erlebte einzuordnen und zu verstehen. Und dieses „gemeinsam“ war entscheidend. Zwei Wochen lang war ich von einer Gruppe umgeben, die jede Etappe der Reise tiefer, wärmer, humorvoller und bedeutungsvoller machte. Was wir teilten, beschränkte sich nicht auf Mahlzeiten, Sightseeing oder die schlichte Freude, Zeit miteinander zu verbringen. Es war auch die Freude am gemeinsamen Denken. Am gemeinsamen Debattieren. Am gemeinsamen Aushalten schwieriger Fragen. Die Gruppendynamik, die Großzügigkeit, die Offenheit, der Humor — all das machte das Fellowship zu einer Erfahrung, die Herz und Verstand gleichermaßen berührte. Für mich persönlich war der intensive Einblick in die amerikanische Politik ein Wendepunkt. Es gibt einen tiefgreifenden Unterschied zwischen dem Lesen über ein Land und der unmittelbaren Begegnung mit ihm aus dem Inneren seiner eigenen Institutionen heraus. Genau das machte das RIAS Transatlantic Fellowship so besonders. Es erinnerte mich daran, dass die bedeutungsvollsten Reisen nicht jene sind, die einem einfach etwas Neues zeigen, sondern jene, nach denen man das Vertraute mit anderen Augen sieht. All dies wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung, die Führung und die Begleitung von Chris und Pam. Ihr Engagement schuf den Raum, in dem wir diese außergewöhnliche Erfahrung in ihrer ganzen Tiefe ausschöpfen konnten. Tausend Dank dafür, dass ihr uns diese Möglichkeit gegeben habt.

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Anna-Lou Beckmann, ARD/NDR, Hamburg

Es ist selten, auf einer einzigen Reise mehr als 162.000 Schritte zurückzulegen — exakt 162.733, wie meine Handy-App zeigt — und dabei das Gefühl zu haben, dass jeder dieser Schritte Sinn und Bedeutung hatte. Unsere Woche in Washington, D.C., verging im Flug, ganz im Rhythmus des politischen Sturms, der die US-Hauptstadt in den vergangenen 14 Monaten erfasst hat. Das Weiße Haus sahen wir nur aus der Ferne, doch die Folgen der dort betriebenen Politik spürten wir aus nächster Nähe — durch Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Thinktanks, mehrerer Medienorganisationen, einem Senator, einem Anwalt und einer politischen Aktivistin. Mein Besuch in North Carolina und beim Radiosender WUNC FM war einer der Höhepunkte. Ich habe viel über ihre Arbeit gelernt — und sogar einen Tornado-Alarm gut überstanden. 😊 Drei Menschen, die ich in den USA getroffen habe, werde ich nicht vergessen: Lois Custalow Carter (Morning Glory), Gordon Huie und Gwen Ragsdale. In meiner gesamten Laufbahn bin ich vielen Menschen begegnet, aber noch nie drei innerhalb so kurzer Zeit, die den Mythos des Sisyphus so eindrucksvoll verkörpern. Lois Custalow Carter kämpft gemeinsam mit dem Mattaponi-Stamm seit Jahrzehnten um die Anerkennung durch den Bundesstaat und betreibt zugleich ein kleines Museum auf dem letzten Stück Stammesland in Virginia. Aus diesem Stamm stammt auch die berühmte Pocahontas — doch das eigentlich Bemerkenswerte an ihrer Geschichte ist nicht die berühmte Vorfahrin, sondern die Würde, mit der diese Menschen nach Jahrhunderten der Zerstörung und Erniedrigung weiterhin friedlich für ihre Rechte eintreten. Gordon Huie und Gwen Ragsdale tragen ihre eigenen Sisyphus-Steine. Gordon kann aufgrund einer Krankheit, die er nach seiner Teilnahme an den Rettungseinsätzen während der Anschläge vom 11. September in New York entwickelte, kaum noch zwei Stufen steigen. Und doch begrüßt er, stets lächelnd, die Besucher des Memorials und ist bereit, die Tragödie zu erzählen, die die Welt — und sein eigenes Leben — verändert hat. „Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir bleibt“, sagte er uns, „aber so lange ich kann, werde ich diese Geschichte erzählen.“ Er verlor an jenem Tag sowohl seine Schwester als auch seine Gesundheit. Gwen ist ebenfalls eine besondere Geschichte. In ihrem improvisierten „Lest We Forget Slavery“-Museum, das sich im Keller eines alten Hauses im Germantown-Viertel von Philadelphia befindet, erzählt sie die Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Diese Geschichte wurde unzählige Male erzählt — doch aus ihrem Mund erhält sie ein neues Gewicht und eine neue Bedeutung. „Spür das Gewicht dieser Fessel“, sagte Gwen, während sie sich durch den Raum bewegte. „Das war es, was man versklavten Menschen um den Hals legte.“ Ihre Mission in einem Land, in dem Afroamerikaner theoretisch alle Rechte besitzen, ist einfach: „Sicherzustellen, dass es weder vergessen noch wiederholt wird.“ Sie erinnert an die Fälle Trayvon Martin, George Floyd und viele andere der jüngeren amerikanischen Geschichte. Ich kann die Geschichte dieser Reise nicht beenden, ohne die wunderbare Gruppe von Journalistinnen und Journalisten zu erwähnen, mit denen ich sie erlebt habe. Wir kamen als Fremde in die USA — und gingen als Freunde. Und natürlich, last but not least: Pam und Chris, die uns mit großer Sorgfalt und unendlicher Geduld auf dieser Reise begleitet haben. Dafür gilt euch mein herzlichster Dank.

Boris

Boris Georgievski, Deutsche Welle, Bonn

Es kommt selten vor, dass man auf einer einzigen Reise mehr als 162.000 Schritte zurücklegt – genau 162.733, wie mein Handy anzeigt – und dabei das Gefühl hat, jeder einzelne Schritt sei sinnvoll gewesen. Unsere Woche in Washington, D.C., verging wie im Flug, ganz im Einklang mit den politischen Turbulenzen, die die US-Hauptstadt in den letzten 14 Monaten geprägt haben. Wir sahen das Weiße Haus zwar nur aus der Ferne, spürten seine Wirkung aber hautnah durch Treffen mit Thinktanks, Medienvertretern, einem Senator, einem Anwalt und einem politischen Aktivisten. Mein Besuch in North Carolina und beim Radiosender WUNC FM war ein Highlight – ich habe viel über deren Arbeit gelernt und sogar eine Tornadowarnung überstanden. 😊 Drei Menschen, die ich in den USA getroffen habe, haben mich nachhaltig beeindruckt: Lois Custalow Carter (Morning Glory), Gordon Huie und Gwen Ragsdale. Ich habe in meiner Karriere viele Menschen kennengelernt, aber noch nie drei in so kurzer Zeit, die den Mythos von Sisyphus so deutlich verkörpern. Lois und der Mattaponi-Stamm setzen sich seit Jahrzehnten für nationale Anerkennung ein und betreiben ein kleines Museum auf dem verbliebenen Land ihres Stammes in Virginia. Pocahontas stammte von diesem Stamm – doch was ihre Geschichte ausmacht, ist nicht ihre Abstammung, sondern ihre Würde nach Jahrhunderten der Zerstörung und Demütigung. Gordon und Gwen tragen ihre eigenen Sisyphus-Steine. Gordon, schwer erkrankt von seinen Rettungseinsätzen am 11. September, kann kaum zwei Stufen steigen, doch er empfängt die Besucher der Gedenkstätte herzlich, fest entschlossen, die Geschichte weiterzuerzählen, die die Welt veränderte – und ihm seine Schwester und seine Gesundheit kostete. Gwen erzählt in ihrem improvisierten Museum “Lest We Forget Slavery” (Damit wir die Sklaverei nicht vergessen) in einem Keller in Germantown die Geschichte der Sklaverei mit einer Wucht, die schriftliche Darstellungen selten vermitteln. “Spürt die Last dieser Fessel”, sagte sie. Ihre Mission in einem Land, in dem Afroamerikaner theoretisch alle Rechte haben, ist einfach: sicherzustellen, dass die Vergangenheit weder vergessen noch wiederholt wird – und erinnert uns an Trayvon Martin, George Floyd und viele andere. Ich möchte zum Schluss unbedingt die wunderbare Gruppe von Journalisten erwähnen, mit denen ich diese Reise unternommen habe. Wir kamen als Fremde an und gingen als Freunde. Und natürlich Pam und Chris – vielen Dank für eure fürsorgliche und geduldige Begleitung.

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Mia von Hirsch, HR/WDR, Frankfurt am Main

Die ganze Reise war einfach großartig. Zwei Wochen voll mit Eindrücken, Learnings und jeder Menge Spaß. Unsere RIAS-Reise hat uns tiefe Einblicke in das aktuelle politische Klima der USA ermöglicht. Darüber hinaus haben wir ein besseres Verständnis für den Alltag und die sozioökonomischen Sorgen der Amerikanerinnen und Amerikaner gewonnen. Unsere Gruppe aus zwölf Journalistinnen und Journalisten hatte die Gelegenheit bei Terminen mit Thinktanks, Nachrichtenorganisationen und NGOs alle möglichen Fragen zu stellen. Kaum ein Thema blieb offen: Wie der Streit um Grönland, die Entwicklung des Journalismus und der Pressefreiheit, die Kriege im Iran und in der Ukraine sowie die anstehenden Midterm-Wahlen in den USA. Einer der eindrucksvollsten Momente war unser Besuch in der Mattaponi Indian Reservation, wo wir Lois Morning Glory Custalow Carter trafen und mehr über das Leben der Native Americans und ihre Herausforderungen erfahren durften. In New York haben wir den „triple 9/11 survivor“ Gordon Huie getroffen, der uns eine eindrucksvolle Führung über das Memorial-Gelände gab und seine persönlichen Erfahrungen mit uns geteilt hat. Während meiner Station Days bei WFSU wurde ich von Tristan Wood, Rob Diaz de Villegas und Lynn Hatter herzlich in Tallahassee empfangen. Ich konnte viel über die Berichterstattung zu Klimathemen in einem republikanisch geprägten Bundesstaat, über historisch schwarze Colleges sowie über die politische Landschaft Floridas lernen – und habe sogar Seekühe und Alligatoren gesehen. Ich bin mit vielen neuen Eindrücken, Kontakten und Ideen für zukünftige Geschichten zurückgekehrt und freue mich darauf, den transatlantischen Dialog fortzusetzen. Vielen Dank an Pam Ortega, Christoph Jumpelt, Christina Reif und das gesamte RIAS-Team, die diese Erfahrung möglich gemacht haben – ich kann jeder Journalistin und jedem Journalisten nur empfehlen, sich für dieses einzigartige Programm zu bewerben.

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Felix Schlagwein, MDR, Leipzig

Am frühen Morgen holt mich meine Host Faith Jessie am Flughafen in Atlanta ab. Wenig später sitzen wir in einem Gottesdienst der Ebenezer Baptist Church – jener Kirche, in der Martin Luther King Jr. bereits als junger Mann gepredigt hat. Ein ganzes Orchester plus Big Band begleiten einen riesigen Gospel-Chor, der Pastor – seit einigen Jahren US-Senator in DC – hält die Predigt. Der Raum ist voller Musik, Gemeinschaft und Gebet. Der Gottesdienst in Atlanta ist der erste Programmpunkt meiner Station Days. Anschließend durfte ich bei CNN und 11Alive hinter die Kulissen gucken und sehr viel darüber lernen, wie die Kolleginnen und Kollegen in den USA arbeiten. Und das unter immer größerem Druck. Während der Reise haben wir mit Journalisten, Medienanwälten und Think Tanks über Trumps Angriffe auf die Pressefreiheit gesprochen. Ein weiteres Thema, das die Gespräche dieser Reise geprägt hat: Der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran und dessen Auswirkungen in den USA, vor allem auch mit Blick auf die Midterm-Wahlen im November. Analysten, Wissenschaftler und Journalisten haben uns unglaublich wertvolle Einschätzungen und Einblicke über den Zustand der Vereinigten Staaten gegeben. Wir haben von überzeugten Trumpisten gehört, wie sie auf die USA und die Welt blicken. Und von Anhängern der Demokraten, welche Strategien sie gegen Trump ausarbeiten. Jeden Tag folgte auf ein Highlight das nächste, sowohl im regulären Programm mit der Gruppe, als auch in den Station Days. Es sind Erfahrungen, die ich und auch die anderen Mitglieder der über diese Zeit sehr eng zusammengewachsenen RIAS-Gruppe nie vergessen werden. Es waren intensive und spannende zwei Wochen, in denen wir so viel in so kurzer Zeit über die USA lernen durften, wie es wohl nur im Rahmen dieses Programms möglich ist. Ein großer Dank gilt deshalb der RIAS-Kommission, besonders Chris und Pam, die diese Reise so besonders gemacht haben. Wir sehen uns wieder!

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Anna Wulffert, MDR, Leipzig

Ein Morgen im Hotelzimmer in Charlotte, North Carolina. ABC News meldet, dass US-Präsident Trump vorschlägt, Kuba einzunehmen. Danach fahre ich zu WSOC-TV, dem regionalen Fernsehsender, bei dem ich meine Station Days verbringe. Sind sie hier in Aufruhr? Wie gehen sie mit der Meldung um? Die Antwort ist: gar nicht. Journalistinnen und Journalisten in den USA sind mit einem Präsidenten konfrontiert, dessen Aussagen sie nicht trauen können und deren Nachrichtenwert sie darum sorgfältig abwägen müssen. „Everything he say’s is either factually incorrect or a straight lie”, fasst ein Reporter bei einem Termin in Washington D.C. die Lage zusammen. Als deutsche Journalistin kann ich es manchmal nicht richtig fassen: Wir befinden uns in einer der am längsten bestehenden Demokratien der Welt – und reden mitunter darüber, was man anziehen muss, damit Donald Trump im Press Briefing Room deine Frage beantwortet. Gleichzeitig geht das Leben in den USA überraschend normal weiter. Und nimmt mich als Besucherin ehrlicherweise total mit: Ich sitze bei einem NBA-Spiel in Charlotte in der achten Reihe (danke, Channel 9!), besuche den First Amendment Award im geschichtsträchtigen Watergate Hotel in Washington, fahre mit dem Amtrak für einen Tagesausflug nach Philadelphia, und darf mir den Alltag eines indigenen Reservats im Osten Virginias ansehen. Dazu kommen unzählige interessante und manchmal auch emotionale Termine – etwa mit Gordon Huie, der seine Schwester bei den Terroranschlägen vom 11. September verloren hat und dessen Führung am Ground Zero mir immer in Erinnerung bleiben wird. Alles in allem waren die beiden Wochen wahnsinnig intensiv, aufschlussreich und spannend. Tausend Dank an Chris und Pam für das fantastische Programm und die herzliche Betreuung – und ebenso an die großartige Gruppe aus klugen und witzigen Journalist:innen, mit der ich diese Zeit erleben durfte.

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Julian Gräfe, SWR/ARD, Stuttgart

Mit vielen Fragen reiste ich in die USA.Während des Programms hatte ich Gelegenheit, mich intensiv mit Themen wie journalistischer Unabhängigkeit in der amerikanischen Medienlandschaft, Produktionsbedingungen in den USA, dem Einfluss von Thinktanks, dem zunehmend polarisierten Meinungsspektrum und vielen anderen Aspekten auseinanderzusetzen. Besonders faszinierend fand ich die Auseinandersetzung mit dem Thema „Redefreiheit“, insbesondere mit der Frage, warum amerikanische Politiker die Meinungsfreiheit in Europa als bedroht darstellen. In den USA wird der Rede oft viel Spielraum eingeräumt: Sie kann meinungsstark, provokativ, sogar beleidigend oder manchmal diffamierend sein, was allgemein als Ausdruck persönlicher Freiheit verstanden wird. Gleichzeitig konnte ich während der Reise an meiner eigenen Recherche weiterarbeiten. Ich traf mich mit Personen und Unternehmen, die von US-Zöllen betroffen sind. Die Interviews, die auf diesen Gesprächen basierten, wurden im ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus veröffentlicht. Besonders wertvoll war für mich der Austausch mit meinen amerikanischen und deutschen Kollegen. Unsere deutsche RIAS-Gruppe fühlte sich schnell wie eine eng verbundene Gemeinschaft an, fast wie eine Familie, die sich seit Jahren kennt und auch in Zukunft in Verbindung bleiben wird. Ich kehre mit vielen Antworten und neuen Erkenntnissen, aber auch mit neuen Fragen zurück, die meine Arbeit als Journalist weiterhin prägen werden.

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Karen Münster, ARD/NDR, Hamburg

Zwei Wochen USA mit dem RIAS-Programm – das bedeutet: Den Kopf voller Eindrücke, das Herz voller Geschichten und ein Netzwerk, das den Atlantik umspannt. Im politischen Powerhouse Washington, D.C., tauchten wir direkt in den Maschinenraum der US-Politik ab. Hinter den Türen einflussreicher Thinktanks wie der Heritage Foundation und dem Center for American Progress debattierten wir intensiv darüber, wie sich die politischen Lager für die Midterms und das Jahr 2028 in Stellung bringen. Gleichzeitig lieferten uns Journalistinnen und Journalisten verschiedenster Medien ungeschönte Einblicke, wie sie den ultimativen Stresstest von Trumps zweiter Amtszeit bewältigen. Dann kamen meine Station Days in Chicago – ein rasanter, ungefilterter Crashkurs in der Realität des amerikanischen Lokaljournalismus. Bei den Primary Elections in Illinois erlebte ich die politische Maschinerie aus erster Reihe und berichtete unversehens selbst „live on air“. Chicago war voller Krontaste: Einerseits erlebte ich hautnah, was für ein unverzichtbarer Anker diese Sender für ihre Communities sind; andererseits spürte ich den surrealen Rhythmus des US-Fernsehens, in dem knallharte Breaking News nahtlos in fröhliche Burger-Werbung übergehen. Der emotionalste Moment der Reise erwartete uns in New York. Gordon Huie, ein 9/11-Überlebender und Ersthelfer, teilte seine Geschichte mit uns. Ich kehre zurück nach Hause mit unschätzbaren Einblicken in die US-Medienlandschaft und neuen Freunden. Ein riesiges Dankeschön an die RIAS Berlin Kommission und an unsere wunderbare Gruppe – wir haben viel gelernt und noch mehr gelacht. Diese Erfahrung wird meine Arbeit noch lange prägen.

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Christian Röther, Deutschlandfunk, Köln

In Washington hat „er“ meterhohe Porträts von sich selbst an den Fassaden mehrerer Regierungsgebäude anbringen lassen. Gegenüber von unserem Hotel in Chicago prangt sein Name in überdimensionierten Lettern an einem Wolkenkratzer. Auch in US-Medien und in unseren Gesprächen vor Ort ist „er“ allgegenwärtig. Doch in diesen Gesprächen vermeiden viele US-Amerikaner*innen seinen Namen. Sie sprechen stattdessen nur von „ihm“. Vielleicht wollen sie sich auf diese Weise von ihm distanzieren, ihm keine Reverenz erweisen. Vielleicht wollen sie auch bloß verhindern, dass andere auf das Gespräch aufmerksam werden – andere, die womöglich eine andere politische Meinung vertreten. Wir besuchen ein zutiefst polarisiertes Land, doch diese Polarisierung ist im Alltag zunächst überraschend wenig spürbar – viele Menschen haben vermutlich andere Sorgen. Aber in Details zeigt sich die angespannte politische Lage – wie im Vermeiden seines Namens. Oder in den Plakaten gegen die Polizeibehörde ICE, die in Washington ordentlich auf die Sockel von Ampeln geklebt wurden. Oder durch die Nationalgarde, die sich an den Metrostationen zu langweilen scheint. Das alles bildet den Hintergrund unserer Gespräche mit Verantwortlichen aus Politik, Think Tanks, Forschung, Gesellschaft und Medien. Zwei Wochen in Washington, Virginia, Chicago, New York und Philadelphia – mit einem vollen Programm und voller Eindrücke, Einblicke und Begegnungen, die mein Bild der USA und ihrer Menschen ergänzen, verändern und von nun an prägen werden. Manche Gespräche bleiben mir wegen ihrer Ehrlichkeit in Erinnerung: weil die Fehler der eigenen politischen Seite klar benannt werden, oder weil die tiefe Besorgnis um die Zukunft des Landes greifbar ist. Andere Gesprächspartner*innen vertiefen unser Wissen über die Geschichte der USA und lassen diese Geschichte zugleich durch persönliche Betroffenheit und Engagement lebendig werden: wenn es um Sklaverei und Rassismus geht, um die Situation der indigenen Bevölkerung und ihrer Reservate, oder um die Anschläge vom 11. September und ihre Folgen. Spürbar ist auch der wachsende politische Druck, dem ausländische und US-amerikanische Medienschaffende in den USA ausgesetzt sind. Viele scheinen vorsichtiger geworden zu sein, prüfen noch genauer, was sie veröffentlichen – um nicht von der Regierung verklagt oder von einzelnen Regierungsvertreter*innen öffentlichen an den (digitalen) Pranger gestellt zu werden. Trotzdem – und auch das wird in jedem Treffen deutlich – sind viele Journalist*innen in den USA nicht gewillt, sich „ihm“ und seinen Angriffen auf Liberalismus und Wahrheit zu beugen. Nicht zuletzt haben unsere Kolleg*innen uns offen und herzlich empfangen, und das RIAS-Team hat die Reise grandios organisiert. Beides trägt dazu bei, dass ich inspiriert und mit neuer Motivation von meiner Journalistenreise in die USA zurückkehre.

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