Am 07. Mai 2026 verleiht die RIAS Berlin Kommission im Berliner Roten Rathaus die RIAS Media Awards and Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland und den USA, die sich in Ihren Beiträgen und Reportagen in besonderer Weise mit Themen von transatlantischer Relevanz befasst haben.
Christoph Jumpelt, Verwaltungsdirektor der RIAS Berlin Kommission: “An der Zahl von über 80 Einreichungen für die RIAS Media Awards erkennen wir, dass die Verbindung zwischen Deutschland und den USA große Bedeutung in der Berichterstattung hat. Dieses gegenseitige Interesse fördern wir Jahr für Jahr mit unseren Austauschprogrammen. Hier bekommen Journalistinnen und Journalisten tiefe Einblicke in die politischen und kulturellen Entwicklungen im jeweils anderen Land und können sich mit Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks über die wachsenden Herausforderungen für einen unabhängigen Journalismus austauschen. Ich danke der Jury aus RIAS-Alumni für ihre Mühe, sie hatten bei der Vielzahl von hervorragenden Einreichungen keine leichte Aufgabe.”
Jury-Vorsitzender Michael Gargiulo, Moderator WNBC New York: „Was mich so beeindruckt hat, war die große Vielfalt der diesjährigen Preisträger – von jungen deutschen Filmemachern, die nach West Virginia reisten, um ihr gestohlenes Werk zurückzuholen, bis hin zu amerikanischen Journalisten, die sich vor Ort ein Bild vom Aufstieg der extremen Rechten in Deutschland machten.“
Die RIAS Media Awards werden in fünf Kategorien vergeben:
Der TV Award geht an Hannah Congdon, Evan Williams, Vanessa Schlesier und Dan Edge für die Dokumentation “The Rise of Germany’s New Right”, ausgestrahlt im Programm Frontline auf PBS (Public Broadcasting Service) in den USA.
Die Jury sagt dazu: Dies ist eine herausragend recherchierte und vielschichtig erzählte Dokumentation, die den Aufstieg der neuen Rechten in Deutschland einordnet und zugleich in einen internationalen Kontext stellt. Die Dokumentation „The Rise of Germany’s New Right" untersucht eindringlich, wie rechtsextreme Akteure bis an die Schwelle politischer Macht gelangen konnten, und beleuchtet die Ursachen für den wachsenden Rückhalt für nationalistische Politik – einschließlich möglicher Einflussnahmen aus Russland und den USA. Der Film überzeugt durch exklusive Einblicke und Beobachtungen über einen langen Zeitraum, sowie einen bemerkenswerten Zugang zu zentralen Protagonisten, darunter auch hochrangige AfD-Politiker. Ergänzt wird dies durch historischen Kontext und fundierte Einordnungen von Geheimdienstanalysten, Journalisten und Experten. Mit ihrem Film gelingt es den Machern, politische Dynamiken nachvollziehbar zu machen. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zu einem transatlantischen Verständnis aktueller demokratischer Herausforderungen.
Mit dem Radio Award wird Eberhard Schade vom Deutschlandfunk Kultur ausgezeichnet für sein Feature “Deutsche in Texas – Bach, Bier, Business as usual?”.
Kommentar der Jury: Das Radiofeature „Bach Bier, Business as usual?“ erzählt vom Pilsener Urquell im Kühlschrank, dem Wurstfest in New Braunfels und deutschen Volksliedern im Chor, schafft es dazwischen aber immer wieder sehr geschickt den Blick von den 250 Jahre alten Spuren deutscher Einwanderer auf die Situation derer zu lenken, die erst 1989, nach dem Fall der Mauer, in die USA und gezielt nach Texas ausgewandert sind. Damit hebt das Feature die Geschichte auf eine neue Ebene: Wie geht es denjenigen, die aus Ostdeutschland in die USA gingen, weil sie dem Versprechen der Freiheit gefolgt sind, welches sie jahrzehntelang im eigenen Land vermisst haben? Es ist ein durchwachsenes Bild, das Eberhard Schade uns zeichnet. Und er spiegelt es, sehr persönlich, mit viel Humor und einem liebevollen, sehr nahen Blick auf seine Protagonisten. Ein herausragendes Stück Radio, das zeigt, wie verwoben die deutsch-amerikanische Geschichte ist und wie sehr das, was in den USA gerade passiert, erneut auch uns betrifft.
Der Digital Award geht an den Deutschlandfunk für den Podcast “Die Peter Thiel Story”. Autoren sind Klaus Uhrig, Christian Schiffer, Jasmin Körber und Fritz Espenlaub.
Urteil der Jury: Die Peter Thiel Story untersucht das Leben und den Aufstieg einer der geheimnisvollsten und mächtigsten Figuren der amerikanischen extremen Rechten. Peter Thiel, geboren in Deutschland, ist der Strippenzieher hinter dem kulturellen Rechtsruck in den USA und einer der wichtigsten Unterstützer von Donald Trump. In diesem sechsteiligen Podcast, erfahren wir mehr über seine ungewöhnliche Kindheit, seine Eliteausbildung und wie er einige der bekanntesten Namen in der Tech-Welt gründete: PayPal, Facebook, und Palantir. Wir sehen, dass er nicht nur reich geworden ist, sondern mächtig. Manche befürchten, dass seine Ziele undemokratisch sind: Die Unterstützung des Rechtspopulismus, weniger Regeln für Unternehmen und vielleicht eine Zukunft unter einer "Techno-Oligarchie" in der Techfirmen Einfluss auf die Politik von Regierungen nehmen können.
Mit dem RIAS Fellow Award werden Ariel Plotnick und Emma Talkoff von der Washington Post für ihre Reportage “Should Germany ban its far-right party?” ausgezeichnet.
Begründung der Jury: Die Journalistinnen Ariel Plotnick und Emma Talkoff von der Washington Post zeichnen ein umfassendes, eindringliches Porträt der rechtspopulistischen Partei AfD. Der Podcast beleuchtet die zunehmenden Forderungen nach einem Verbot der AfD, die nach der Aufdeckung eines geheimen Treffens laut wurden, bei dem Parteimitglieder Pläne zur Ausweisung von Einwanderern aus dem Land diskutierten. Vor dem Hintergrund eines fundierten historischen Kontexts verbindet die Berichterstattung umfassende politische Analysen mit prägnantem Journalismus vor Ort. Der Podcast zieht zudem überzeugende Parallelen zwischen der AfD und der MAGA-Bewegung in den Vereinigten Staaten. Mit einer sorgfältig ausgewählten Bandbreite an Stimmen – von gewöhnlichen Wählern bis hin zu AfD-Mitgliedern selbst – ist dies ein Muss für alle, die eine umfassende, fundierte Berichterstattung über die Partei suchen.
Und der RIAS Grand Prize geht an das Autorenteam Igor Plischke, Christopher Zwickler, Anika Mellin und Hannes Beßler für die ARD/MDR Koproduktion “Der talentierte Mr. F”.
Dazu die Jury: „Der talentierte Mr. F. – Die Jagd auf einen Filmdieb“ verdient den Grand Prize der RIAS-Jury, weil der Film deutsch-amerikanische Beziehungen aus einer ungewohnten, hochaktuellen Perspektive erzählt: nicht über Politik, sondern über Kreativität, Urheberrecht und digitale Machtverhältnisse. Er zeigt, wie eng verflochten die Medienwelten beider Länder sind – und wie verletzlich kreative Arbeit in einer globalisierten, digitalen Öffentlichkeit geworden ist. Gleichzeitig gibt der Film den eigentlichen Schöpfern eine Stimme. Julius und Moritz stehen stellvertretend für eine junge Generation von Kreativen, deren Arbeit sichtbar gemacht und gewürdigt werden muss. Dass ihre Geschichte nun diese Anerkennung erhält, ist auch ein starkes Signal für Fairness und künstlerische Integrität. Besonders überzeugend ist die erzählerische Kraft des Films: Die Recherche entwickelt sich wie ein Thriller, nah an den Protagonisten, spannend und emotional. Man fiebert mit, leidet mit – und versteht am Ende, dass es hier um mehr geht als einen Einzelfall: um Wahrheit, Eigentum und Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter.